Natürliche Arznei aus der Tasse

Wissenswertes rund um Arzneitee

Ob bei Magen-Darm-Problemen, Erkältung oder Stress – eine heiße Tasse Tee kann bei vielen Beschwerden eine echte Wohltat sein. Erst recht, wenn sie wirkungsvolle Heilpflanzen beinhaltet, die für sanfte Linderung sorgen können. Kein Wunder, dass Arzneitee als eine der ältesten Arzneiformen der Welt gilt. Deshalb haben wir ihn mal genauestens unter die Lupe genommen.


Heilpflanzen sind aufgrund ihrer wohltuenden Eigenschaften schon seit Jahrtausenden beliebt: Ob bei alten Naturvölkern, den Gelehrten der Antike oder den Mönchen im Mittelalter – die Pflanzenheilkunde kann auf eine lange Tradition zurückblicken.

Natürlich entwickelten sich über diese Zeit auch die unterschiedlichsten Darreichungsformen – als eine der ältesten gilt das Übergießen der medizinisch wirkenden Pflanzenteile mit heißem oder kochendem Wasser: der Tee.

Traditionelle Arznei

Insbesondere im Mittelalter wurden beim Aufbrühen von Tee ähnliche Verfahren genutzt, um aus Heilpflanzen eine Arznei herzustellen. Wie zum Beispiel bei einem sogenannten Dekokt, welcher heutzutage noch in der traditionell chinesischen Medizin verwendet wird. Während die gängigen Arzneitees meist eine Ziehzeit von 5 bis 15 Minuten haben, werden Dekokte gewonnen, indem die Pflanzen für eine längere Zeit „abgekocht“ werden.

Auch Mazerate, heute bekannt als Kaltauszug, wurden bereits im Mittelalter als teeähnliche Arznei genutzt. Hierbei werden die Heilpflanzen nicht mit heißem Wasser aufgegossen, sondern mit Wasser bei Raumtemperatur. So können auch hitzeempfindliche Inhaltsstoffe in den Aufguss gelangen.

Das „Beste“ der Arzneipflanzen

Auf einem Aufguss basierende Arzneien sind auch heute noch anzutreffen. Der Arzneitee wird darunter wohl die einfachste und bewährteste Variante sein. Ob als Mono-Tee, also ein Tee aus einer einzelnen Pflanze, oder als wirkungsvolle Arzneiteemischungen mit verschiedenen Heilkräutern – Arzneitees sind heute bei den kleinen Beschwerden des Alltags in aller Munde.

Das heiße Wasser sorgt dafür, dass sich die natürlichen Inhaltsstoffe der Pflanzen, wie ätherische Öle, Gerbstoffe oder Flavonoide, im Aufguss entfalten können. Das Zusammenspiel dieser Inhaltsstoffe ist letzten Endes für die gesundheitsfördernde Wirkung der Arzneitees verantwortlich.

Ein doppeltes Plus: Allein das Trinken von Tees kann entspannend sein, was sich positiv auf das Wohlbefinden auswirkt.

Mehr als „nur“ ein Kräutertee

Tee ist nicht gleich Tee – während es bei Lebensmitteltees hauptsächlich um den Geschmack geht, steht bei Arzneitees die Wirkung im Fokus, denn sie gelten als Arzneimittel. Bis vor 60 Jahren gab es jedoch keine Regelungen bezüglich Herstellung, Wirkung oder Qualität. Somit durfte sich rein theoretisch jeder Tee auch Arzneitee nennen. 1961 wurde dann das Arzneimittelgesetz (AMG) eingeführt, indem erstmals die Herstellung von Arzneien eindeutig geregelt wurde. Seither unterliegen auch Arzneitees dessen strengen Kriterien: Sie müssen die sogenannte Arzneibuchqualität aufweisen, die bestimmte Anforderungen an die Reinheit und Qualität der verwendeten Zutaten stellt. Darunter fallen auch der Mindestgehalt bestimmter Inhaltsstoffe einer Heilpflanze und zahlreiche Regelungen bezüglich der Verpackung.

Auf die Zubereitung kommt’s an

Wer kennt ihn nicht – den „vergessenen“ Tee, bei dem die Ziehzeit schon längst vorüber ist. Bei Kräuter- oder Früchtetees ist dies meist unproblematisch, bei Arzneitees hingegen ist es sinnvoll, sich an die Zubereitungsanweisungen zu halten. Nur nach der angegebenen Ziehzeit ist garantiert, dass die Inhaltsstoffe ausreichend im Aufguss enthalten sind und so ein wirkungsvoller Arzneitee entsteht. Falls die Ziehzeit doch mal überschritten wurde, ist der Tee natürlich immer noch genießbar. Die ätherischen Öle können dadurch jedoch verloren gehen, was die Wirkung des Tees mindern kann.

In der Regel ist es sinnvoll den Arzneitee während des Ziehens abzudecken, damit die Inhaltsstoffe nicht über den Wasserdampf entweichen. Nach Ablauf der Ziehzeit wird Arzneitee optimalerweise heiß und in kleinen Schlückchen getrunken.  

Lose, im Beutel oder Stick?

Auch bei Arzneitees gibt es unterschiedliche Darreichungsformen. Die Tees im Filterbeutel oder Stick haben gegenüber der losen Variante den Vorteil, dass so die optimale Dosierung garantiert werden kann. Zusätzlich können die Heilpflanzen für die Verwendung im Filterbeutel stärker zerkleinert werden, sodass sich die Inhaltsstoffe besser im heißen Wasser freisetzen können.

Bei Arzneitees im Stick sind die Heilpflanzenextrakte hochkonzentriert, wodurch Wirkung und Geschmack noch etwas intensiver sind. Ein weiterer Vorteil der Sticks ist die einfache und schnelle Zubereitung, da das Umrühren und die Ziehzeit entfallen.

Letztlich unterliegen jedoch auch alle Darreichungsformen dem Arzneimittelgesetz. Es gelten demnach die gleichen Anforderungen an Qualität und Wirksamkeit.

Die optimale Lagerung

Was die Lagerung angeht, mögen es die Arzneitees genauso wie Lebensmitteltees: kühl, trocken und dunkel. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Inhaltsstoffe auch bis zum Verfallsdatum im Tee enthalten bleiben. Nach Ablauf dieses Datums ist die Wirksamkeit der Arzneitees nicht mehr garantiert und es empfiehlt sich, diese nicht mehr zu trinken.

Die Natur ist die beste Apotheke.

 

Sebastian Kneipp

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