Kräuterbuschen

Der magisch-krautige Brauch zu Maria Himmelfahrt

Am 15. August findet vielerorts die traditionelle Kräuterweihe statt. Was es mit dem krautigen Brauch auf sich hat und was das mit Maria und den heilenden Kräften verschiedener Pflanzen zu tun hat, lesen Sie hier.


Seit mehr als 1300 Jahren werden im August Kräuter gesammelt, die als Büschel gebunden einem katholischen Priester am 15. August zur Weihe vorgelegt werden. Mit diesem Brauch erinnert die katholische Kirche an die Öffnung des Grabes von Maria. Klingt bis hierher erstmal wenig aufregend, aber: Anstelle des Leichnams sollen dort Blumen gefunden worden sein. Maria war aber nicht etwa spurlos verschwunden, vielmehr sei sie in den Himmel aufgestiegen. Das traditionelle Kräuterweihritual an Maria Himmelfahrt war bei Frauen so beliebt, dass das eigentliche Marienfest auch als „Unser Frauen Würzweih“ oder „Büschelfrauentag“ in die Geschichtsbücher einging.

Nicht jedem Kraut gebührte die Ehre

Es durfte natürlich nicht irgendein Kräuterbüschel sein, um das sich an Maria Himmelfahrt alles drehte. Damals gab es hinsichtlich seiner Zusammensetzung strenge Regeln, heute ist man da flexibler. Nach alter Tradition bildete die Königskerze die Mitte. Ringsherum waren unter anderem Frauenmantel, Schafgarbe, Johanniskraut, Rosmarin, Salbei, Wermut, Minze, Arnika, Kamille, Basilikum und Spitzwegerich erlaubt. Neben dem Wer oder Was, war auch das Wieviel keine Frage des Zufalls: 7er, 9er, 12er, 33er, 72er, 77er oder 99er Sträuße galten als die standesgemäße Anzahl an Kräutern. Vor allem die 72 spielte dabei eine bedeutende Rolle, denn Maria soll nicht nur 72 Jahre alt geworden sein, sondern ebenso sollen in ihrem leeren Grab auch genau 72 Blumen gefunden worden sein.

Am frühen Morgen mit Links

Die Pflanzen für den Kräuterbuschen wurden traditionell am Tag vor Maria Himmelfahrt gesammelt. Noch vor Sonnenaufgang durchstreiften Frauen und Kinder Wiesen und Wälder, um ausschließlich mit der linken Hand und ohne Messer allerlei Kräuterlinge zu pflücken. Beim Binden richtete man sich nach dem alten Sprichwort: „Je größer und schöner der Buschen, desto größer der Bauer!“ Mit der anschließenden Segnung sollten sich die Heil- und Abwehrkräfte der Pflanzen vergrößern. Ihnen wurden sozusagen „göttliche Kräfte“ verliehen. Nach der Kräuterweihe wurde der Buschen getrocknet und in Haus und Hof verteilt, um die Bewohner vor Unheil wie Feuer, Hagel und Gewitter zu schützen. Auch bei den verschiedensten Beschwerden wurde ein Tee vom Weihbüschel getrunken, der baldige Genesung versprach.

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