Über den Tassenrand hinaus

Der Tee, die Philosophie und die Religion

Teeliebhaber haben es schon immer gewusst: Ein guter Tee kann geradezu spirituelle Kraft entfalten. So ist Tee in anderen Kulturen mit Philosophie und Religion verwoben.


Wenn man von zeremoniellem Teegenuss spricht, kommt einem unweigerlich das japanische Teeritual in den Sinn, das seit Jahrhunderten praktiziert wird: Der sogenannte „Teeweg“. Die Tee-Meister erlernen und erproben die vielen, klar definierten Schritte der Teezubereitung über viele Jahre hinweg, bis zur Perfektion.

Der Ablauf dieses Rituals ist genau vorgegeben – sowohl für den Zubereitenden als auch für den Gast. Jeder Aspekt und jeder Moment soll ganz bewusst erlebt werden und alles, was im Augenblick nicht wichtig ist, tritt in den Hintergrund. Im Teehaus sind sozialer Stand und Herkunft unwichtig. Es geht nur um den „Teeweg“ und das achtsame Erleben der Zeremonie. Dieser Grundgedanke der Achtsamkeit findet sich auch im Zen-Buddhismus. In Japan sagt man deshalb auch: „Tee und Zen haben den gleichen Geschmack“.

Natürlich gibt es auch im Tee-Heimatland China eine uralte Tee-Zeremonie. Hier sieht man es jedoch etwas lockerer. Es handelt sich beim Teehaus weniger um einen spirituellen Ort, sondern auch um einen Ort des Austauschs. Künstler und Philosophen diskutierten hier genauso wie Politiker – oder das organisierte Verbrechen. Heute ist das chinesische Teehaus dem Wiener Kaffeehaus nicht unähnlich.

Wichtiger als die religiösen Ursprünge ist im Reich der Mitte der philosophisch-ideologische Aspekt des Teetrinkens. Die Art der Herstellung und Trocknung ist bei chinesischen Teeliebhabern ebenso wichtig, wie möglichst hochwertiges Wasser und natürlich die Wahl des passenden Teegeschirrs. Das richtige Material, Form und Farbe zu finden, ist eine Wissenschaft für sich, über die leidenschaftlich gestritten werden kann und über die jeder seine ganz eigene Meinung hat. Das Teetrinken wird so zum ganzheitlichen, ideologisch angehauchten und gleichzeitig individuellen Ritual.

Sobald ein Getränk wie Tee zum Alltag dazugehört, wird er unweigerlich auch Teil der Kultur. Um das zu erleben, muss man übrigens gar nicht weit verreisen: Die größten Teeliebhaber wohnen nämlich in Ostfriesland! Im plattdeutschen Land wird mehr Tee getrunken als irgendwo anders auf der Welt. Und auch hier folgt das Teetrinken traditionellen „Ritualen“: Neben der starken ostfriesischen Teemischung dürfen Kandiszucker und Sahne genauso wenig fehlen, wie das obligatorische, weißblaue Teegeschirr.

Ob man nun traditionelle Rituale oder besondere Keramik zum Teetrinken braucht, darf natürlich jeder für sich selber entscheiden. Klar ist: Ein guter Tee ist weit mehr als nur ein wohltuendes Getränk! Er macht wach, oder hilft uns, zu entspannen. Er lindert im Winter ebenso die Halsschmerzen, wie er uns im Sommer erfrischt. Und ob wir nach dem Training eine Tasse Perfect Me genießen, in Marokko einen süßen Minztee trinken oder unseren Mate Tee aus der Kalebasse schlürfen: Tee ist am Ende immer etwas Gutes.

Tee weckt den guten Geist und weise Gedanken. Er erfrischt das Gemüt. Bist du niedergeschlagen, so wird Tee dich ermuntern.

Shen Nung, chinesischer Kaiser

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