Functional Food – Lebensmittel mit weitreichender Funktion?

Manche Lebensmittel haben mehr zu bieten als Geschmack

Kleine Becherchen mit probiotischem Joghurt, Vitamine im Tee oder in Gummibärchen: Bestimmte Lebensmittel in den Supermarktregalen schmecken nicht nur, sie haben auch eine besondere Funktion.


Die Geschichte von Functional Food beginnt in Japan. Hier sind die funktionellen Lebensmittel, japanisch „Tokuho“, schon lange bekannt und beliebt. Funktionell ist ein Lebensmittel in Japan dann, wenn es gesundheitsfördernde Zusätze hat. Das können etwa zusätzliche Vitamine sein oder auch Probiotika, die, vor allem in Joghurts verzehrt, die Verdauung unterstützen sollen. Aber auch Kräutertees mit Vitaminzusätzen können dazu gezählt werden – diese funktionellen Kräutertees, sollen beim Gesunden die Körperfunktionen unterstützen wohingegen Arzneitees im Krankheitsfall angewendet werden: Diese sind speziell zu dem Zweck konzipiert, auf natürliche Art und Weise bestimmte Befindlichkeitsstörungen zu lindern. Gut schmecken sollen und dürfen sie aber natürlich trotzdem! Bis ein Tee sich in Deutschland offiziell Arzneitee nennen darf, sind etliche Bedingungen zu erfüllen. Wie sieht das mit Functional Food aus?

Schon seit Anfang der 1990er gibt es in Japan auch ein strenges Lebensmittel-Siegel, das Functional Food auszeichnet. Das Label Functional Food heißt aber nicht, dass man es mit einem künstlichen Lebensmittel aus dem „Chemiebaukasten“ zu tun hat. Sicherlich geht es um Lebensmittelzusätze, aber diese sind häufig eben auch natürlich – das gilt zum Beispiel für manche ACE-Säfte. Im Gegensatz zu Nahrungsergänzungsmitteln, die oft hochdosiert eingenommen als Tablette oder Pulver eingenommen werden, wird Functional Food meist nur eine Komponente hinzugefügt oder entzogen. Die Dosierung ist vergleichsweise mild und soll etwa bei einer laktosefreien Ernährung unterstützen oder dabei, das Immunsystem zu stärken.

Und wie das Beispiel laktosefreie Milch zeigt: Als funktionelle Lebensmittel werden auch solche bezeichnet, die ganz gezielt etwas nicht enthalten. Glutenfreie Nudeln fallen beispielsweise auch unter diese Kategorie.

 

Welches Food ist weshalb functional?

Das bekannteste Functional Food ist vermutlich der probiotische Joghurt. Dem Produkt werden spezielle Bakterienkulturen hinzugefügt, die nicht von der Magensäure zersetzt werden. Sie wandern dann weiter in den Darm und sollen dort die Verdauung unterstützen. Es gibt auch Arzneimittel, die auf probiotischen Bakterien basieren.

Laktosefreie Produkte haben gerade Konjunktur – auf Grund einer Laktoseintoleranz oder einfach im Rahmen einer laktosefreien Ernährung. Besonders laktosefreie Milch ist ein beliebter Ersatz für herkömmliche Kuhmilch. Die Laktose, ein Milchzucker, ist hier bereits aufgespalten. Das macht das Produkt auch für Menschen mit Intoleranz genießbar, die die Laktose nicht im Körper selbst aufspalten können.

Gerade Säfte werden oft damit beworben, besonders viele, wertvolle Vitamine bereitzustellen. Diese sind dann dem eigentlichen Saft, beispielsweise Orange, zugesetzt. Die Vitamine A, C und E sind in Kombination beliebt, aber auch Vitamin B6 und Omega-3-Fettsäuren werden oft beigefügt. Gerade letztere nehmen wir über unsere Nahrung mitunter nicht in ausreichender Menge auf. Sie sollen dabei helfen, das Immunsystem zu stärken.

 

Ein weiteres Beispiel ist das Trendgetränk Kombucha: Hier wird Tee mit Hilfe von Zucker und bestimmter Hefen und Bakterien zu einem Erfrischungsgetränk vergoren. In Asien werden Kombucha vielerlei positive Eigenschaften nachgesagt. Er soll etwa das Immunsystem stärken oder die Darmfunktion verbessern – und wird deshalb in der dortigen Volksmedizin auch als Heilmittel eingesetzt.

Sich gezielt mit Nahrungsbausteinen zu versorgen, die bei "normaler" Ernährung eher auf der Strecke bleiben – eine prinzipiell gute Idee. Auch wenn Japan in der Definition von Functional Food schon wesentlich weiter und klarer ist, heißt das nicht, dass es in der EU keine Regelung gäbe: Die EU Health Claim Verordnung regelt sogenannte gesundheitsbezogene Angaben. Wenn ein Lebensmittel vom Hersteller mit nährwert- oder gesundheitsbezogenen Aussagen beschrieben wird, bedeutet das, dass es ein entsprechendes Zulassungsverfahren erfolgreich durchlaufen hat.

 

Wie bei allen fertigen Lebensmitteln ist es auch bei Functional Food ratsam, genau darauf zu achten, was außerdem noch drinsteckt. Und auch das funktionellste Lebensmittel kann eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung nicht ersetzen. Ein probiotischer Joghurt allein wird die Verdauungsprobleme nicht wegzaubern und ein Glas ACE-Saft reicht leider auch nicht, um das Immunsystem gegen die hartnäckigen Kindergarten- oder Straßenbahn-Keime abzuhärten. Aber das muss es ja auch gar nicht, denn Functional Food ist vor allem eines: Ein Baustein der individuellen Ernährung. Und es kann ja etwa auch ein wichtiger erster Schritt sein, sich Gedanken darüber zu machen, was man eigentlich tagtäglich so zu sich nimmt. Das zeigt sich zum Beispiel am Trendthema „glutenfrei“: Immer mehr Menschen interessieren sich dafür, was die einzelnen Komponenten ihrer Ernährung eigentlich im Körper bewirken.

Letztlich muss jeder für sich selbst entscheiden, welche Anforderungen ein Lebensmittel erfüllen soll. Hilfestellungen, wie ein Biosiegel, können dabei helfen, im Dschungel der funktionellen Lebensmittel etwa die natürlicheren Zusätze zu finden. Ob nun Diät, gesundheitliche Notwendigkeit oder einfach aus Überzeugung – am Ende geht es vor allem darum: Welche Lebensmittel tun mir persönlich jetzt gerade gut und welche nicht?

Man soll dem Leib etwas Gutes bieten, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen.

Winston Churchill

Newsletter abonnieren

Entdecken Sie Monat für Monat wertvolles Heilpflanzen- und Kräuterwissen.
Als Begrüßungsgeschenk gibt es einen
5,- € Gutschein für den Bad Heilbrunner®
Online-Shop*.

Jetzt kostenlos abonnieren
OK
Diese Webseite verwendet Cookies, mehr Informationen